Handeln statt hadern

Von steigenden Baukosten, Materialengpässen bis zu internationalen Konflikten – Gründe für Sorgenfalten gibt es genug. Bei der Vertreterversammlung im Juni 2026 jedoch ging es um den positiven Blick nach vorn.

Schon zu Beginn stellte Vorstandsvorsitzende Christine Stehr klar: „Die ewigen Negativschlagzeilen und der Krisenmodus machen müde und kosten Kraft, die wir an anderer Stelle dringend benötigen – nämlich um die Aufgaben unserer Zeit anzugehen.“ Dazu gehört vorrangig der Klimaschutz. Dass Hamburg nach dem Volksentscheid das Klimaziel auf 2040 vorgezogen hat, macht die Sache schwerer, bringt die Genossenschaft aber nicht aus dem Konzept. Seit Jahren verfolgt die WGW konsequent ihren Klimapfad und achtet dabei darauf, dass auch die Miete bezahlbar bleibt. „Unsere durchschnittliche Modernisierungsrate liegt dauerhaft über zwei Prozent und entspricht den Empfehlungen der Hamburger Machbarkeitsstudie“, sagt Christine Stehr.

Weiter den Kurs halten
Zwei Großprojekte zeigen, wie das in der Praxis aussieht. In Eidelstedt hat die WGW bereits rund 150 Wohnungen im Wildacker auf den neuesten energetischen Stand gebracht. Die Arbeiten an weiteren Gebäuden mit 32 Wohnungen laufen. In der Wohnanlage in der Bengelsdorfstraße mit 81 Wohnungen gibt es ein Rundum-Paket. Zusätzlich zur umfassenden energetischen Modernisierung werden die Bäder erneuert, ebenso wie die Versorgungsstränge. Das ist mit Hilfe von Fördergeld möglich. Außerdem wird der Aufzug ausgebaut und künftig bis ins Erdgeschoss fahren: Weniger Barrieren und ein langgehegter Wunsch vieler Mitglieder. Zum Klimapfad der Genossenschaft gehören energetische Vollmodernisierungen aber auch viele Einzelmaßnahmen: Fassaden werden teilgedämmt, Fenster Fenster ausgetauscht und Heizsysteme verbessert oder erneuert. Je nach Standort und Möglichkeiten setzt die WGW auf Wärmepumpen oder Fernwärme, ergänzt durch Photovoltaikanlagen auf den Dächern, dort, wo es möglich ist. Christine Stehr: „Damit sind die CO2-Emissionen auf einem stetigen Abwärtstrend, ebenso die Energie- und die Emissionskosten.“

Neubau im Wiesenredder
Die Genossenschaft hält an den Neubauplänen in Rahlstedt fest – „eine anspruchsvolle Aufgabe nach vielfältigen Abstimmungen mit Behörden“, sagt Christine Stehr und hatte gute Nachrichten: Das Neubauvorhaben mit 114 Wohnungen im Wiesenredder rückt näher. Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist erfolgreich abgeschlossen, eine Umplanung nicht erforderlich und der Bauantrag in Sichtweite.

Aber es gibt noch mehr Positives: „In einem viel kleineren Format, aber mit nicht weniger Herzblut, bringen wir zugleich unsere Gartenstadt-Siedlung voran.“ Dort liegt der Schwerpunkt auf einer behutsamen Modernisierung. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Einblasdämmung. Sie reduzierte Wärmeverluste, schafft eine klimafreundliche Wärmeversorgung und hilft, den Charakter der Siedlung zu bewahren. Dort, wo die Bausubstanz in der Gartenstadt nicht mehr modernisiert werden kann, setzt man auf stilähnliche Ersatzbauten, die sich gut ins Gesamtbild einfügen. Erste Pläne für zwei Doppelhäuser und weitere Wohneinheiten am Rand der Gartenstadt wurden bereits vorgestellt. „Wenn man einen besonderen Wert erhalten möchte, bedarf es der Erneuerung“, ist Christine Stehr sicher und bedankte sich zugleich für das große Interesse und den wertvollen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der umliegenden Wahlbezirke.

Dank der soliden wirtschaftlichen Grundlage ist die Umsetzung aller Projekte auch möglich. „Der Jahresabschluss weist wieder ein sehr gutes Ergebnis aus und das bei weiterhin sehr moderaten Mieten“, sagt die Vorstandsvorsitzende.

Zeichen setzen
Allerdings ist Geld nicht alles. Das beste Beispiel dafür ist die neue „Sünnenklock“ in der Bengelsdorfstraße. Ein Azubi-Projekt, bei dem junge Menschen „über sich hinauswachsen konnten und das bei Weitem nicht nur den Nachwuchs begeistert hat“, freut sich Christine Stehr. Denn es ist ein über alle Dächer sichtbares Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Zusammenhalt – und ein modernes Sinnbild für den Genossenschaftsgedanken: Mit Tatkraft und Gestaltungswillen lässt sich auch in schwierigen Zeiten viel bewegen.

Wiedergewählt: Niels Bossow (v. li.), Vorsitzender des Aufsichtsrates, sein Stellvertreter René Alfeis und Heiko Glawe (Schriftführer) wurden in der anschließenden konstituierenden Sitzung für weitere drei Jahre in ihren Ämtern bestätigt. Fotos: Hermann Jansen

Auf gartenstadt-wandsbek.de gibt’s den Jahres- und Geschäftsbericht 2025 online. Die Printversion bitte bei Nicole Gebecke anfragen: 040 696959-11.

Neubau für den Mäusebussard

Auf dem Gelände des ehemaligen Freibades Rahlstedt sollen künftig Neubauten entstehen. Dort, wo die Gebäude geplant sind befindet sich ein Horst von Mäusebussarden in einem Baum. Anfang März wurde Ersatz geschaffen, damit die Greifvögel bleiben können und nach dem Bau wiederkommen. Der Naturwissenschaftler und Vogelkundler Jens Hartmann war bei der Aktion dabei.

Was gefällt Mäusebussarden in der Stadt? Die Greifvögel sind doch Landbewohner.
Jens Hartmann: „Das stimmt eigentlich. Aber viele Vögel kommen immer weiter in die Städte, da sie dort weniger Feinde und Nahrungskonkurrenz haben. Lange Zeit war der Bruterfolg von Mäusebussarden nicht gut, da sie von Menschen stark bejagt und getötet wurden. Jetzt erholen sich die Bestände und die Greifvögel nutzen die Stadt als Ausweichquartier. Dafür mussten sich Mäusebussarde umstellen und ihre Scheu überwinden. Lärm ist nicht so problematisch, aber Unruhe, das Kommen und Gehen vom Menschen. Der extremste Brutplatz, den ich kenne, war an einer U-Bahn-Haltestelle, direkt neben den Gleisen.“

Welche Feinde haben sie und wie groß ist die Population in Hamburg?
Hartmann: „Feinde sind vor allem Habicht, Uhu und der Mensch. Die letzte Rote Liste stammt von 2018 mit dem Bestand des Jahres 2016. Damals waren es 460 Brutpaare, Tendenz zunehmend. Aktuell gibt es wohl schon etwa 500 im gesamten Stadtgebiet.“

Fressen Mäusebussarde nur Mäuse?
Hartmann: „Sie fressen überwiegend Feld- und Wühlmäuse. Maulwürfe, Kaninchen und Fallwild stehen ebenfalls auf dem Speiseplan.“

Wieso braucht man im Wiesenredder Ersatzhorste?
Hartmann: „Dort gibt es einen Horst zwischen den künftigen Neubauten, daher brauchen wir neue Brutplätze, um die Chance zu erhöhen, das ein Paar oder zwei wiederkommen. Mäusebussarde sind streng geschützt, daher haben wir nach Vorgabe der Stadt Hamburg drei Ersatzhorste angelegt, in acht Meter Höhe und mehr – mit freier An- und Abflugmöglichkeit.“

Wie muss so ein Horst aussehen, damit sich die Greifvögel wohlfühlen und ihn annehmen?
Hartmann: „Die Ersatz-Horste sind aus Weidengeflecht mit etwa 70 Zentimeter Durchmesser. Wir haben sie gut befestigt und Äste reingepackt. Das sieht für die Vögel so aus, als ob der Brutplatz schon von anderen angenommen wurde, also muss er gut sein. Das erhöht die Chance und ist ein Lockmittel fürs Brüten – auch für Waldohreulen und Kolkraben als Nachnutzer. Solche Horste werden oft jahrelang genutzt.“

Wann fangen die Mäusebussarde mit der Brut an?
Hartmann: „Meist ab dem dritten Lebensjahr. Die Brut beginnt zwischen Ende März und Mai, abhängig von der Witterung und vorhandenen Nahrung. Die Greifvögel brüten ungefähr sechs Wochen, je nach Größe des Geleges. Normal sind zwei bis drei Eier. Bei sechs Eiern dauert es natürlich länger. Nach weiteren etwa sieben Wochen sind die Jungen flügge. Vier Wochen bleiben sie noch im Horst, danach verlassen sie ihre Eltern.“

Haben Sie Tipps, wie soll man sich in ihrer Nähe verhalten?
Hartmann: „Die Jungvögel haben einen Bettelruf, der so klingt, als ginge es dem Tier schlecht. Aber das hört sich nur so an. Und generell gilt: Wenn man einen Greifvogel am Horst in der Natur bemerkt, ist es am besten den Bereich leise und langsam zu verlassen, um sie nicht zu stören. Die meisten Mäusebussarde kreisen nur und lenken so Feinde vom Horst und dem Nachwuchs ab.“

Neubau-Projekt Wiesenredder

  • Infos im Bebauungsplan Rahlstedt 135: B-Plan-Verfahren läuft
  • 114 WGW-Wohnungen mit öffentlicher Förderung, 66 Eigentumswohnungen in zehn Gebäuden
  • Am Rand des Grundstücks: der Bach Stellau wird renaturiert; nördlich davon: Naturschutzflächen; neben dem Grundstück vorgesehen: Grünanlage mit Spielplatz

Geschäftsstelle wird klimaneutral

Auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität und dem Verringern von CO2-Emissionen gehen wir den nächsten Schritt: Die Geschäftsstelle unserer Genossenschaft soll klimaneutral werden.

Der Weg dahin muss nicht immer sichtbar sein. Im Gartenstadtweg 81 wird seit Monaten im Hintergrund gearbeitet. Die Beleuchtung wurde vollständig auf LED umgestellt. Und auf dem Dach produziert eine Photovoltaikanlage eigenen Strom. Am sichtbarsten war die Montage, denn die Solar-Module wurden per Kran aufs Dach transportiert.

Umweltwärme nutzen
Danach ging es wieder ins Verborgene. Genauer gesagt: in den Technikraum und in den hinteren Teil des Gartens. „Die Geschäftsstelle wird künftig über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe beheizt“, sagt Vorstandsmitglied Eduard Winschel. Dafür war einiges vorzubereiten: Erdarbeiten, neue Stromanbindung, neue Zähler, statische Prüfungen. Eigentlich sollte die Anlage schon früher in Betrieb gehen. Doch der unerwartet starke Wintereinbruch hat den Zeitplan verschoben. Aber nicht aufgehoben: Ab dem kommenden Winter gibt es Wärme – ganz emissionsfrei. Sobald die Wärmepumpe im Frühjahr angeschlossen ist, wird die Heizungsanlage zusätzlich per hydraulischem Abgleich auf Effizienz getrimmt, sodass sich die Wärme gleichmäßig verteilt.

Mit Strom unterwegs

Bei der WGW endet Klimaneutralität jedoch nicht an der Eingangstür. Auch für unterwegs wurde nachgelegt und die bisherigen Hybridfahrzeuge durch reine Stromer ersetzt. Heute ist das Team elektrisch. Geladen wird die Flotte direkt vor Ort mit Windstrom der Stadtwerke Rostock, der das Geschäftsgebäude versorgt. Eigens dafür wurden die Wallboxen erweitert und die Ladeinfrastruktur verstärkt.

Altes wärmedämmen
Es ist kein Zufall, dass das Gebäude heute kurz vor der Klimaneutralität steht. Die Grundlage hat die WGW mit dem Umbau2009 gelegt. Ursprünglich erbaut 1959, wurde bei dem Projekt nicht nur mehr Platz geschaffen. Im gleichen Zuge wurde der Anbau technisch auf den neuesten Stand gebracht. Dabei zeigt sich, dass selbst architektonische Besonderheiten wie das markante gläserne Atrium klimafreundlich integriert werden können. Die speziell beschichteten Scheiben halten Wärme im Gebäude, schützen vor Sonne und dämpfen den Straßenlärm. Zugleich sorgt die Beschichtung dafür, dass Vögel das Glas als Hindernis erkennen. Eine Eigenschaft, auf die die WGW besonderen Wert legte und damit neue Maßstäbe für den Vogelschutz in der Stadt setzte.

Vorstand Eduard Winschel: „In diesem Jahr fehlt jetzt nur noch ein Baustein. Der alte Teil des Gebäudes muss wärmegedämmt werden.“ Läuft alles nach Plan, wird auch dieses Projekt 2026 fertig. Dann hat die WGW ein klimaneutrales Haus, das jedes Mitglied auch privat nutzen kann: Denn der große Gemeinschaftssaal kann für Treffen von Nachbarn oder Feiern in der Familie gemietet werden.

Millimeterarbeit mit einem Gewicht von einer Tonne: Die schwere Wärmepumpe wurde Ende März per Kran an ihren Standort an der Nordseite der Geschäftsstelle gehoben. Fotos: WGW