Auf dem Gelände des ehemaligen Freibades Rahlstedt sollen künftig Neubauten entstehen. Dort, wo die Gebäude geplant sind befindet sich ein Horst von Mäusebussarden in einem Baum. Anfang März wurde Ersatz geschaffen, damit die Greifvögel bleiben können und nach dem Bau wiederkommen. Der Naturwissenschaftler und Vogelkundler Jens Hartmann war bei der Aktion dabei.
Was gefällt Mäusebussarden in der Stadt? Die Greifvögel sind doch Landbewohner.
Jens Hartmann: „Das stimmt eigentlich. Aber viele Vögel kommen immer weiter in die Städte, da sie dort weniger Feinde und Nahrungskonkurrenz haben. Lange Zeit war der Bruterfolg von Mäusebussarden nicht gut, da sie von Menschen stark bejagt und getötet wurden. Jetzt erholen sich die Bestände und die Greifvögel nutzen die Stadt als Ausweichquartier. Dafür mussten sich Mäusebussarde umstellen und ihre Scheu überwinden. Lärm ist nicht so problematisch, aber Unruhe, das Kommen und Gehen vom Menschen. Der extremste Brutplatz, den ich kenne, war an einer U-Bahn-Haltestelle, direkt neben den Gleisen.“
Welche Feinde haben sie und wie groß ist die Population in Hamburg?
Hartmann: „Feinde sind vor allem Habicht, Uhu und der Mensch. Die letzte Rote Liste stammt von 2018 mit dem Bestand des Jahres 2016. Damals waren es 460 Brutpaare, Tendenz zunehmend. Aktuell gibt es wohl schon etwa 500 im gesamten Stadtgebiet.“
Fressen Mäusebussarde nur Mäuse?
Hartmann: „Sie fressen überwiegend Feld- und Wühlmäuse. Maulwürfe, Kaninchen und Fallwild stehen ebenfalls auf dem Speiseplan.“
Wieso braucht man im Wiesenredder Ersatzhorste?
Hartmann: „Dort gibt es einen Horst zwischen den künftigen Neubauten, daher brauchen wir neue Brutplätze, um die Chance zu erhöhen, das ein Paar oder zwei wiederkommen. Mäusebussarde sind streng geschützt, daher haben wir nach Vorgabe der Stadt Hamburg drei Ersatzhorste angelegt, in acht Meter Höhe und mehr – mit freier An- und Abflugmöglichkeit.“
Wie muss so ein Horst aussehen, damit sich die Greifvögel wohlfühlen und ihn annehmen?
Hartmann: „Die Ersatz-Horste sind aus Weidengeflecht mit etwa 70 Zentimeter Durchmesser. Wir haben sie gut befestigt und Äste reingepackt. Das sieht für die Vögel so aus, als ob der Brutplatz schon von anderen angenommen wurde, also muss er gut sein. Das erhöht die Chance und ist ein Lockmittel fürs Brüten – auch für Waldohreulen und Kolkraben als Nachnutzer. Solche Horste werden oft jahrelang genutzt.“
Wann fangen die Mäusebussarde mit der Brut an?
Hartmann: „Meist ab dem dritten Lebensjahr. Die Brut beginnt zwischen Ende März und Mai, abhängig von der Witterung und vorhandenen Nahrung. Die Greifvögel brüten ungefähr sechs Wochen, je nach Größe des Geleges. Normal sind zwei bis drei Eier. Bei sechs Eiern dauert es natürlich länger. Nach weiteren etwa sieben Wochen sind die Jungen flügge. Vier Wochen bleiben sie noch im Horst, danach verlassen sie ihre Eltern.“
Haben Sie Tipps, wie soll man sich in ihrer Nähe verhalten?
Hartmann: „Die Jungvögel haben einen Bettelruf, der so klingt, als ginge es dem Tier schlecht. Aber das hört sich nur so an. Und generell gilt: Wenn man einen Greifvogel am Horst in der Natur bemerkt, ist es am besten den Bereich leise und langsam zu verlassen, um sie nicht zu stören. Die meisten Mäusebussarde kreisen nur und lenken so Feinde vom Horst und dem Nachwuchs ab.“

Drohnenfoto: Fröhlich Gartenbau



Neubau-Projekt Wiesenredder
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