Im Sommer wählte die Vertreterversammlung Lena Schneidereit in den Aufsichtsrat. Wir haben sie gefragt, was ihr an diesem Amt gefällt.
Was hat Sie motiviert, zu kandidieren? „Ich wollte mich schon immer gerne für die WGW engagieren und war lang als Vertreterin tätig. Zunächst war ich unsicher, ob sich das Amt mit Familie und Beruf vereinbaren lässt. Aber nach Gesprächen mit unserem Vorsitzenden Niels Bossow und mit meiner Familie, war ich zuversichtlich, dass das funktionieren kann.“
Warum haben Sie den Prüfungsausschuss gewählt? „In erster Linie waren es praktische Gründe: Die Sitzungstermine sind abends, das ist nicht bei allen Ausschüssen so. Als berufstätige Mutter zweier Kinder ist das aber entscheidend. Im Prüfungsausschuss lässt sich alles gut miteinander vereinbaren. Außerdem schrecken mich Zahlen nicht ab, im Controlling bin ich zuhause.“
Was möchten Sie bewegen? „Das kann ich noch nicht genau sagen, dafür brauche ich einen tieferen Einblick. Jetzt würde ich sagen, mehr die Zielgruppe junge Familien ins Auge zu fassen. Vielleicht kann ich durch meine Arbeit auch jüngere Mitglieder und besonders Frauen motivieren, sich zu engagieren.“
Lena Schneidereit studierte Public Management und arbeitet als Beamtin in der Sozialbehörde. Sie hat zwei Kinder und lebt mit ihrem Partner in der Gartenstadt. Mit der WGW ist die 34-Jährige auf besondere Weise verbunden: Vor mehr als 100 Jahren eröffnete ihr Urgroßvater im Gartenstadtweg 57 eine Schuhmacher-Werkstatt, die ihre Großeltern weiterführten. Und an ihren Papa Wolfgang Schneidereit dürften sich auch viele Mitglieder erinnern. Er war bis 33 Jahre als Hauswart im Einsatz.
Und weil wir so in Fragelaune waren, und Lena Schneidereit Spaß daran hatte, hat uns die Aufsichtsrätin noch ein paar Fragen zu entweder … oder… beantwortet:
Sportskanone oder Couch-Potato? „Ich sitze gerne abends auf der Couch, mache aber auch Sport, vor allem Yoga.“ Kino oder Theater? „Weder noch. Am liebsten lese ich.“ Elbe oder Alster? „Wenn überhaupt, dann Alster.“ Berge oder Meer? „Strand und Meer – das ist für mich der schönste Urlaub.“
Die Rauchwarnmelder in den WGW-Wohnungen werden seit 2021 per Funk aus der Ferne geprüft. Eine angenehme Situation für Mitglieder, da sie keinenTermin mehr wahrnehmen müssen und kein willy.tel-Mitarbeiter in die Wohnung kommen muss. Aber so einfach sich das anhört, nicht alles läuft rund. Woran das liegt, verrät Matthias Demuth, Abteilungsleiter Mieterservice.
Welche Probleme gibt es bei den Fernprüfungen der Funk-Rauchwarnmelder? Matthias Demuth: „Es gibt viele Meldungen von Fehlern wie ‚Melder entfernt‘ und ‚Hindernis erkannt‘. Das ist ein Sicherheitsrisiko, da der Rauchwarnmelder in diesen Fällen im Ernstfall nicht funktioniert.
Woran liegt es, dass es solche Fehler-Infos in den Wohnungen gibt? Matthias Demuth: „Bei Renovierungen wie dem Streichen der Decke entfernen Mitglieder die Melder samt Halterung und vergessen, alles wieder anzubringen oder sie klicken den Rauchwarnmelder nicht wieder richtig in die Halterung. Es kann auch sein, dass Möbel wie ein Schrank oder eine Lampe zu nah am Gerät stehen. Dann bekommen wir die Info ‚Hindernis erkannt‘. Ein Rauchwarnmelder muss mindestens 50 Zentimeter von Möbeln entfernt sein. So wurden sie angebracht.
Was passiert, wenn bei der Jahres-Wartung festgestellt wird, dass etwas nicht stimmt? Matthias Demuth: „Wir schreiben die Mitglieder an, dass sie mit willy.tel einen Termin vor Ort vereinbaren müssen. Wurde der Rauchwarnmelder von den Bewohnern demontiert, tragen sie diese Kosten. Ist das Gerät defekt, fallen keine Kosten an.“
Haben Sie einen Tipp für unsere Mitglieder? Matthias Demuth: „Wer renoviert und dafür den Rauchwarnmelder abnehmen muss, sollte die Schrauben wieder in die Dübellöcher drehen. So vergisst man im Anschluss nicht, das Gerät wieder anzubringen und weiß vor allem, wo es befestigt war. Sollte man trotzdem Hilfe brauchen, sind unsere Hauswarte erste Ansprechpartner.“ Vielen Dank für das Gespräch.
Thymian, Bergminze und Lavendel – das freut die Bienchen und begeisterte auch unsere Mieterinnen und Mieter. Im Wildacker 13-19 und 27-31 war die Stimmung gut, als unsere Mitglieder Kräuter und Blumen in Kästen und Töpfe für Balkon und Terrasse einpflanzten. „So etwas sollte man öfter machen“, findet Antje Drescher und freut sich, dass ihre Pflanzen auch viele Bienen anlocken.
Im Frühjahr kommen die Stauden wieder – fürs nächste sommerliche Balkonien. Die Pflanzen und Gefäße sind ein Geschenk und Dankeschön der WGW zum Abschluss der Modernisierung der beiden Wohngebäude.
Bei der Aktion Ende Juli in Eidelstedt kam auch das Klönen nicht kurz. So tauschten sich unsere Mitglieder aus, über dies und jenes, über die Modernisierung, Hunde und Pflanzen. Ein Mieter brauchte Rat zu einem Bonsai, aber leider sind wir darin keine Experten. Trotzdem gab’s für den Kleinen auf jeden Fall frische Erde.
Moin, ich heiße Finn Masurek und bin der Neue im Mieterservice kaufmännischer Sachbearbeiter. Wenn ich nicht arbeite, mache ich gern Kurzreisen in Deutschland oder bin mit Freunden auf den Fußballplätzen dieser Stadt. Aber das Leben besteht ja nicht nur aus Freizeit: Vor zehn Jahren habe ich mich von Film und Fernsehen und meinem Job als Cutter verabschiedet und mich für die Immobilienbranche entschieden. Bis vor kurzem arbeitete ich in einem kommunalen Wohnungsunternehmen, bis ich dann im April zur WGW kam. Ich wurde herzlich aufgenommen und fühle mich seit dem ersten Tag in der Genossenschaft sehr wohl. Eine funktionierende Gemeinschaft ist mir im Job und in der freien Zeit wichtig, da sie zu guten Leistungen führt und Spaß bringt.
Hey, ich bin Niklas Borkovec, 35 Jahre, und seit März bei der WGW als technischer Sachbearbeiter im Mieterservice. Vor drei Jahren habe ich mein Studium der Architektur abgeschlossen und Erfahrungen mit unterschiedlichsten Bauprojekten und Baustellen gesammelt. Zur Genossenschaft kam ich durch einen Freund, der mir von spannenden Projekten und der tollen Gemeinschaft erzählte. Jetzt setze ich mein Wissen und handwerkliches Können auf der Bauherrenseite ein. Es ist mir eine Freude an nachhaltigen und innovativen Bauprojekten mitzuwirken, die das Leben der Menschen verbessern. In meiner Freizeit fahre ich gerne Motorrad, verreise mit dem Wohnmobil zu schönen Orten, koche leidenschaftlich gern und genieße gutes Essen. Außerdem interessiere ich mich für Architekturtrends und Techniken und besuche regelmäßig Fachmessen und Ausstellungen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Die Neuen im Team (v.li.): Finn Masurek und Niklas Borkovec. Fotos: Hermann Jansen
Unsere Vertreterin Annie Wojczewski erhielt das Verdienstkreuz am Bande von der Bundesrepublik Deutschland. Sie bekam die Auszeichnung für ihre ehrenamtliche Tätigkeit, da sie sich seit 30 Jahren als erste Vorsitzende für den Verein Dewi Saraswati Hamburg e.V. engagiert. „Ich freue mich sehr, da die Auszeichnung meine enge Verbundenheit zum Verein und unserem Kinderdorf in Süd-Indien unterstreicht. Das ist auch ein Orden für Dewi Saraswati Hamburg e.V.“, sagt Annie Wojczewski, die es nicht gern mag, wenn sie selbst so im Mittelpunkt steht. „Diese Freude teile ich mit 90 Kindern im Kinderdorf und rund 400 Kindern der Projektschule, denn jedes einzelne Kind ist es wert.“
Seit November ist sie wieder in Indien und freut sich über Spenden, „die zu 95 Prozent in das Projekt fließen, da wir alle ehrenamtlich arbeiten“, sagt Annie Wojczewski. Wenn Sie den Verein unterstützen wollen, nähere Infos gibt es auf: dewi-saraswati.de
Die Vertreterwahl für die Amtsperiode 2025 bis 2030 steht in den Startlöchern. Der Wahlvorstand, der alles dafür organisiert, ist seit der Vertreterversammlung im Juni vollständig. Er besteht aus Mitgliedern des Aufsichtsrates, des Vorstands und Mitgliedervertretern. Aus dem Kreis der Vertreterinnen und Vertreter sind Stefanie Bieberitz, Karla Burde und Jens Donath im Gremium. Stefanie Bieberitz und Karla Burde haben bereits die Wahl für die letzte Amtsperiode begleitet und sind geübt.
Stefanie Bieberitz hat sich zum zweiten Mal für das Amt gemeldet und ist seit über zehn Jahren auch anderweitig als Wahlhelferin engagiert. „Es macht mir viel Spaß, bei Wahlen zu helfen, da diese Arbeit sehr abwechslungsreich ist. Es ist jedes Mal anders“, sagt die Vertreterin aus der Sieker Landstraße. Auch Jens Donath hat den „Genossenschaftsgedanken tief verinnerlicht“ und findet es „gut und richtig, die Wahl innerhalb dieser ehrenamtlichen Tätigkeit zu begleiten“.
Die erste Sitzung des Gremiums fand Ende August statt. Dort hat sich der Wahlvorstand in die Vorgaben eingearbeitet. Nun müssen satzungsgemäß der zeitliche Ablauf und die Inhalte erarbeitet werden, um die Wahl zu organisieren. Durch die Aufrufe im Magazin „bei uns“ fühlten sich viele Mitglieder angesprochen, sich als Vertreterin oder Vertreter aufstellen zu lassen. Danke an alle, die sich für die Gemeinschaft einsetzen, ob als Vertreterin oder Vertreter, im Wahlvorstand oder bei anderen Gelegenheiten.
Treffen des Wahlvorstandes im Oktober (v.li.): Karla Burde, Stefanie Bieberitz, René Alfeis, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, sowie Vorstandsvorsitzende Christine Stehr, Aufsichtsratsvorsitzender Niels Bossow, Vorstandsassistentin Susanne Scholze und Jens Donath. Foto: Hermann Jansen
Teamassistentin – für alle Fälle: „Hej, ich bin Lisa Wilhelms, und unterstütze die WGW seit Anfang dieses Jahres mittenmang in Hamborg als Teamassistentin. Das Arbeiten in einer Genossenschaft ist zwar Neuland, aber als gelernte Immobilienkauffrau kenne ich die Immobilienbranche seit elf Jahren. Zuletzt war ich Kundenbetreuerin in großen kommunalen Unternehmen. Bei der WGW wurde ich herzlich aufgenommen und hatte schnell das Gefühl, angekommen zu sein. Besonders überzeugt hat mich das Miteinander. Bei der Genossenschaft geht es eben nicht nur ums Wohnen. Die Menschen werden viel mehr gehört als anderswo, es ist fast familiär.
Jeden Tag freue ich mich darauf, mit meinem schönen alten Rad zur Arbeit zu kommen. Denn seit einiger Zeit habe ich das Radfahren wieder für mich entdeckt. In meiner Freizeit verbringe ich viele Stunden mit meiner Familie und meinen beiden Hunden – am liebsten in Dänemark an der Nordsee. Ich freue mich auf alles, was noch kommt!“
Handwerker – mit Fingerspitzengefühl: Christian Oeser: „Meine Familie, der Fußball und mein Job, das bereichert mein Leben. Beruflich habe ich mit 16 als Tischler angefangen und in den letzten 25 Jahren für eine Wohnungsbaugesellschaft gearbeitet. Dort habe ich immer wieder Hauswart-Aufgaben übernommen. So bin ich zur WGW gekommen, denn als Tischler war ich gefühlt eingerostet und wollte beruflich in eine neue Richtung. Seit Januar 2024 bin ich bei der WGW und finde meine Aufgaben spannend. Selbst Beschwerden von Mietern sind interessant, denn mit Fingerspitzengefühl kann man alles positiv lösen.
Ganz weg von der Tischlerei bin ich nicht, da ich Kleineres erledige, wenn ich Zeit dafür habe, etwa das Einstellen eines Fensters. Um den Kopf freizubekommen, bin ich HSV-Fan mit Leib und Seele und ebenfalls Torwart-Trainer beim Sportverein Billstedt-Horn. Ein tolles Hobby, für das mir meine wunderbare Patchwork-Familie den nötigen Freiraum lässt.“
Teamassistentin Lisa WilhelmsHauswart Christian Oeser
In Deutschland gab es im Juni eine Aktionswoche des Bundes, mit dem Slogan „Gemeinsam aus der Einsamkeit“, bislang kümmern sich aber hauptsächlich Vereine um dieses Thema. Dazu gehören auch die „Freunde alter Menschen“. Ihr Ziel: Sie wollen Menschen vor Isolation und Vereinsamung schützen. Ihre Hauptaufgabe: Sie vermitteln Kontakte zwischen Jung und Alt.
Schon seit Jahren gibt es in Großbritannien und Japan Ministerien für die Belange einsamer Menschen. Denn Einsamkeit macht krank, für Körper und Psyche bedeutet es Stress. Das kann ernste gesundheitliche Folgen haben, etwa Schlafstörungen, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Generell sollte daher jede Initiative unterstützt werden, die etwas dagegen unternimmt. Wir haben uns für die „Freunde alter Menschen e.V.“ entschieden und spendeten 1.000 Euro, da uns gefällt, wie der Verein an das Thema herangeht. Die Älteren stehen im Mittelpunkt, aber für die Jüngeren ist es ebenso eine Bereicherung. Das erzählen auf jeden Fall alle Freundinnen und Freunde des Vereins irgendwann. Allein in den deutschen Metropolen sind es aktuell 674 Aktive, weltweit etwa 23.000.
Die Hamburger Gruppe wurde vor zehn Jahren gegründet. Hier konzentriert sich das vierköpfige hauptamtliche Team insbesondere auf zwei Felder: Generation Nachbarschaft und Besuchspartnerschaften. „Wir freuen uns sehr darüber, dass die WGW unsere Projekte unterstützt. Mit Spenden schulen wir etwa unsere Ehrenamtlichen in Erste Hilfe und zum Umgang mit Trauer“, sagt Simone Sukstorf, die für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Bei „Generation Nachbarschaft“ steht das nachbarschaftliche Vernetzen und generationsübergreifende Aktionen im Vordergrund. Bei den Besuchspartnerschaften der persönliche Kontakt zwischen zwei Menschen. Mit den üblichen Besuchs- und Hilfsdiensten hat das allerdings nichts zu tun. „Es geht darum, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen und das zu unternehmen, was beiden Spaß macht“, erzählt Sukstorf. Manche gehen zusammen ins Kino, ins Museum oder ins Theater, andere treffen sich regelmäßig auf eine Partie Schach, andere wiederum machen es sich einfach im Wohnzimmer gemütlich und plaudern. Im besten Fall entstehen echte Freundschaften zwischen Jung und Alt, was nicht so selten ist. Das Hamburger Team befragte ihre 300 Seniorinnen und Senioren: 80 Prozent fühlen sich weniger einsam, über 70 Prozent sprechen von Freundschaft. Ein schöner Erfolg.
Bevor sich ein Tandem zum ersten Mal trifft, werden Einzelgespräche geführt und Interessen abgeklopft. „Und zum ersten Treffen kommt eine Koordinatorin aus unserem Verein mit, auch um das Eis zu brechen“, erklärt Simone Sukstorf. Da stehen die Chancen gut, dass es passt.
Gemeinsam statt einsam – Wollen Sie auch die Einsamkeit bekämpfen? Dann melden Sie sich beim Verein: 040 32518317, hamburg@famev.de. Mehr Infos: famev.de
In Erinnerung an Gustav Delle wurde vorm Bezirksamt Wandsbek eine Gedenktafel eingeweiht. Von 1931 bis 1933 war Delle Zweiter Bürgermeister der damaligen Stadt Wandsbek. Als SPD-Politiker wurde er von den Nazis verfolgt und starb an den Folgen seiner Haft im KZ Neuengamme.
Ein Stolperstein und eine Gedenktafel erinnern an Gustav Delle, ebenso wie der Straßenname Dellestraße in Jenfeld. Foto: WGW
Was nur wenige wissen: Gustav Delle war einer von uns. 1913 zog der damals 33-Jährige mit seiner Frau und seinen drei Kindern von Stuttgart nach Wandsbek-Gartenstadt, in die damalige Erikastraße, heute Goldlackweg. 1916 lebte die Familie in der Rosenstraße – dem heutigen Gartenstadtweg. Aufsichtsrat René Alfeis hatte selbst einmal recherchiert, ob in seinem Haus Opfer des Nazi-Regimes gewohnt haben. Von der Gedenktafel für Gustav Delle hat er in der Zeitung gelesen und findet: „Gegen das Vergessen kann es davon nicht genug geben.“
Mit der Machtübernahme der Nazis musste Gustav Delle seine Ämter und Posten niederlegen und kam als Oppositioneller mehrfach in sogenannte „Schutzhaft“ ins KZ Fuhlsbüttel. Um weiteren Schikanen zu entgehen, zog die Familie nach Ahrensburg. Doch auch dort war er nicht sicher. 1944 wurde er ins KZ Neuengamme eingesperrt, wo er misshandelt und zu Experimenten mit Arzneimitteln gezwungen wurde. Zwar kam er nach neun Wochen wieder frei, die Nebenwirkungen dieser Versuche waren aber so stark, dass er daran am 25. April 1945 starb. „Wie das Beispiel von Gustav Delle zeigt, hat es überall unter uns tapfere Menschen gegeben, die sich für ihre Werte eingesetzt und dafür einen hohen Preis gezahlt haben. Wir alle müssen diesen Mut aufbringen, wenn Unrecht geschieht. Daher ist es wichtig, dass diese schrecklichen Zeiten nicht vergessen werden“, betont Vorstandsvorsitzende Christine Stehr.
Klimaneutralität bis 2045, das ist ein hohes Ziel, aber ist es auch erreichbar? Wie kommt die WGW auf diesem Weg voran, wie gut ist der Wohnungsbestand aufgestellt und welche Vorhaben stehen an? Das Vorstandsteam Christine Stehr und Eduard Winschel sprechen über Projekte, Hindernisse und Wünsche.
Fotos: Hermann Jansen
Welche Pläne gibt es für 2024, was erwartet die Mitglieder? Christine Stehr: „Wir haben langfristige Pläne, die sich an dem orientieren, was notwendig ist, um unsere Gebäude dauerhaft zu erhalten. Für unsere Mitglieder sind natürlich die Modernisierungen zur Reduzierung der Energiebedarfe interessant, denn sie wirken sich nicht nur auf die Klimabilanz, sondern auch direkt auf den Geldbeutel aus. Bei den Projekten für 2024 ist wieder eins dabei, bei dem wir außerdem durch den Ausbau des Staffelgeschosses ein paar neue Wohnungen schaffen können.“
Ein Neubauprojekt ist in der Pipeline, am Wiesenredder in Rahlstedt, einem ehemaligen Schwimmbad. Wie ist der aktuelle Stand? Christine Stehr: „Bevor es dort losgehen kann, muss ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erstellt werden. Ein gutes Verfahren, um zusätzliche Bauflächen zu erschließen, aber auch ein langwieriges, weil viele Beteiligte mitmischen und viele Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen. Wenn dringend Wohnraum benötigt wird, steht sich so ein System dann manchmal selbst im Weg, erst recht, wenn sich Baukosten und Finanzierungsmöglichkeiten mit der Zeit ungünstig entwickeln. Wir bleiben aber optimistisch, dass am Ende des Weges ein schönes Wohngebiet für unsere Mitglieder entstehen wird.“
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – an die Stadt Hamburg oder die Bundesregierung, wie lautete dieser Wunsch? Christine Stehr: „Im Wohnungsbau gibt es, von hohen Bau- und Finanzierungskosten bis hin zur Klimaschutzgesetzgebung, inzwischen eine derart komplexe Gemengelage, dass es immer schwieriger wird, wieder in Schwung zu kommen. Für die Neubauprojekte, die jetzt noch laufen, wäre es wichtig, dass die Genehmigungsprozesse schneller vorankämen und die Kostensituation insgesamt realistisch erfasst würde. Denn am Ende wirkt sich jede zusätzliche Anforderung direkt auf die Mieten aus. Genauso drängend ist die Situation im Wohnungsbestand. Sicher braucht es auch mal Druck, um Dinge voranzubringen, doch hilft es nicht, wenn Gesetze dann mit der heißen Nadel gestrickt werden. So hätte ich mir bei mancher Entscheidung der vergangenen Monate mehr Weitblick und ein noch fundierteres Abwägen der Konsequenzen gewünscht. Um im Bild zu bleiben: Im Handwerk käme niemand auf die Idee das Dach abzureißen, ohne vorher zu überlegen, wie man das Haus anschließend wieder dichtbekommt. Statt Verärgerung oder auch Sorge, sich die Wohnung oder das Heizen nicht mehr leisten zu können, brauchen wir auf breiter Basis Akzeptanz für die anstehenden Veränderungen – und Menschen, die positiv an die Dinge herangehen und auch selbst etwas beitragen möchten.“
Wie ist die WGW beim Verringern von CO2 und Energiesparen aufgestellt? Eduard Winschel: „Wir sind auf einem guten Weg. Im Vergleich zu 1990 haben wir auf Basis der Verbräuche 2022 etwa 55 Prozent CO2 bei unserem Wohnungsbestand eingespart. Mit den energetischen Modernisierungen von 2023 sowie der Photovoltaik-Anlage und dem neuen LED-Lichtkonzept der Geschäftsstelle werden weitere Prozente eingespart. Natürlich hängt alles auch vom Verhalten des einzelnen Mieters ab, ob Energie gespart oder verschwendet wird.“
Sind Sie optimistisch mit dem Wohnungsbestand die Klimaziele bis 2045 zu erreichen? Eduard Winschel: „Der erste Meilenstein ist das Jahr 2030. In Hamburg müssen 70 Prozent CO2 eingespart werden. Nach Erfahrungswerten schaffen wir das mit unseren aktuellen Plänen. Wir prüfen bei Modernisierungen jedes einzelne Gebäude, vorerst Wohnanlagen, die energetisch weniger gut aufgestellt sind.“
Segen oder Fluch? Wie steht es um die Digitalisierung bei der WGW? Eduard Winschel: „Es ist etwas von beidem. Ein höherer Digitalisierungsgrad soll die Arbeit erleichtern, aber bindet auch Personalkapazitäten. Wir wollen den Weg jedoch weitergehen. Vor allem auch, um den Service für unsere Mitglieder zu verbessern, etwa durch die digitale Bereitstellung von Betriebs- und Heizkostenabrechnung. Nach der mobilen Wohnungsabnahme und der Verkehrssicherung folgt nun der nächste Schritt, digitale Rechnungen. Das läuft teils jetzt schon.“
Haben Sie ein Lieblingsprojekt? Christine Stehr: „Viele Projekte schlummern ja schon eine Weile in der Schublade, bis der richtige Zeitpunkt kommt, um sie realisieren zu können. Dann ist es immer ein Erlebnis, wenn am Ende alles so wird, wie man es sich vorgestellt hat. Ein neuer Nachbarschaftstreff in Eidelstedt ist daher genauso ein Lieblingsprojekt wie eine Großmodernisierung in Marienthal oder die Planung neuer Wohnungen in Rahlstedt. Jedes einzelne hat für unsere Mitglieder eine Bedeutung und bringt die Genossenschaft weiter. Abseits vom einzelnen Projekt, empfinde ich es aber auch als ganz große Chance, daran mitarbeiten zu können, dass wir zukünftig vielleicht auf fossile Energieträger verzichten können – auch, wenn das nicht einfach wird.“
Was liegt Ihnen besonders am Herzen? Eduard Winschel: „Unseren Kindern eine lebenswerte Umwelt zu ermöglichen. Für mich stellt sich nicht die Frage, ob wir es schaffen. Wir müssen es.“
Vor welchen Herausforderungen steht die WGW? Christine Stehr: „Wir haben immer in den Erhalt unserer Gebäude investiert und modernisieren schon seit Anfang der 2000er Jahre schrittweise auch in energetischer Hinsicht. Energie zu sparen, Ressourcen zu schonen und den Ausstoß von CO2 zu reduzieren sind schließlich keine neuen Ziele. Leider gab es dabei nie sinnvolle Alternativen zur Gasheizung. In Gebieten, in denen es bislang und vermutlich auch in naher Zukunft keine Fernwärmeversorgung gibt, scheint für die Erzeugung von Wärme dann die Wärmepumpe aktuell die einzige Alternative. Ob über den Fernwärmepreis, hohe Investitionen, Strom- und Wartungskosten oder CO2-Abgabe – teurer wird es also in jedem Fall. Die Wärmewende ist daher nur einer von vielen Punkten, der großen Einfluss auf die Wohnkosten hat. Weitere gesetzliche Vorgaben – von Photovoltaikpflicht über das Gründach bis zur Ladeinfrastruktur und immer noch weiter ansteigende energetische Standards – machen es zunehmend schwieriger, das Wohnen bezahlbar zu halten. Als Genossenschaft bleibt aber genau das eines unserer wichtigsten Ziele und damit auch die größte Herausforderung.“
Eduard Winschel: „Nicht nur die WGW, die Gesellschaft steht vor der Herausforderung der CO2-Reduzierung bei politisch wechselnden Rahmenbedingungen, etwa bei den KfW-Förderprogrammen. Aus unserer Sicht und für langfristige Pläne wechselt das zu oft, sogar innerhalb eines Jahres. Mein Wunsch an die Regierung: Mehr Verlässlichkeit durch Rahmenbedingungen, die länger Bestand haben.“